Stadtmauer als Hochwasserschutzwand

in Wörth am Main

Architekt Trojan-Trojan-Neu, Darmstadt
Bauherr Freistaat Bayern vertreten durch WasserwirtschaftsamtAschaffenburg
Objekt Pilotprojekt des Freistaates Bayern zum Hochwasserschutz am Main
Baukosten 11,2 Mio. Euro
Bauzeit 1998-2001
Bearbeiter Johannes Schlier, Christian Breckner, Andreas Bilz, Jürgen Jansen
Die besondere Aufgabe in Wörth bestand darin, die Stadt wirkungsvoll gegen Hochwasser zu schützen und gleichzeitig möglichst viel von der historisch bedeutenden Stadtmauer zu erhalten. Architekt und Tragwerksplaner gingen die gesamte Stadtmauer Stück für Stück ab und entwickelten individuelle Lösungsansätze für jeden einzelnen Abschnitt. Das statische Grundsystem der Hochwasserschutzwand wurde für diese Abschnitte auf 3 Grundvarianten reduziert.

Die Schutzwand aus Stahlbeton ist 50 cm dick und bis zu 4,50 m hoch. Sie steht auf einem massiven Betonbalken, der sich unter der Erdoberfläche über die gesamte Länge der Altstadt erstreckt, dem sogenannten Kopfbalken. Bei Hochwasser werden die Fluten des Mains einen enormen Druck gegen die Schutzwand entwickeln, der Kopfbalken ist daher mit Stahlbetonpfählen von 75 cm Durchmesser und bis zu 16 m Länge im Fels unter der Stadt verankert.

Damit die Schutzwand nicht unterspült werden kann, ragt eine geschlossene Wand aus Betonpfählen unter dem Kopfbalken vier Meter senkrecht in die Tiefe.

Äußerst kompliziert und aufwendig war die Erhaltung der Stadtmauer bei denkmalgeschützen Anwesen. Das Gebäude am oberen Maintor wird schwebend auf Stahlträger gesetzt, um den Kopfbalken darunter zu betonieren.

Das Konzept sieht eine Hochwasserschutzwand aus Stahlbeton bis zu 4,50 Meter Höhe vor. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten wurde diese Schutzwand sowohl ober- als auch unterirdisch ausgebildet, um auch dem verstärkten Grundwasserstrom bei einem Hochwasser einen entsprechenden Widerstand zu bieten und um eine Unterspülung der Konstruktion zu verhindern. Die oberirdische Schutzwand steht auf einem massiven Betonbalken, der sich unter der Erdoberflache über die gesamte Länge der Altstadt erstreckt, dem sogenannten Kopfbalken. Dieser Kopfbalken ist wiederum mit der unterirdischen Schutzwand aus einer überschnitten gebohrten Bohrpfahlwand, die bis in eine Tiefe von vier Metern reicht, verbunden. Um den enormen Druck bei einem Hochwasser des Mains aufnehmen zu können, ist der Kopfbalken mit Stahlbetonpfählen von 75 Zentimeter Durchmesser und bis zu 16 Meter Länge im Fels unter der Stadt verankert. Diese sind zur Aufnahme des Moments als Zug- und Druckpfähle ausgebildet.

Variante 1: Wand ersetzt Stadtmauer
In Bereichen, wo die historische Stadtmauer freisteht, konnte sie niedergelegt und durch die Beton-Dichtungswand ersetzt werden, wobei das Sandsteinmauerwerk der alten Wand wieder als Verblendung der neuen Dichtungswand verwendet wurde. Damit entstand wieder die alte, historische Dreischaligkeit, wobei der neue Wandkern nicht mehr - wie historisch - aus Füllmaterial, sondern aus einer dem Wasserdruck standhaltenden, dichten Betonwand besteht.

Variante 2: Wand vor der Stadtmauer
Die Hochwasserwand setzt sich als betonsichtige Vorwandschale vor die Stadtmauerabschnitte, die von der angrenzenden Wohnhausbebauung als äußere Hausabschlusswand genutzt wird, um nicht in bewohntes Privateigentum eingreifen zu müssen.

Variante 3: Wand hinter der Stadtmauer
Für besonders schützenswerte und städtebaulich markante Stadtmauerabschnitte wurde diese Variante entwickelt, die statisch und ausführungstechnisch höchst aufwendig ist: Die Stahlbeton-Dichtungswand wird im Gebäude stadtseitig hinter der Stadtmauer angeordnet, was natürlich die Zustimmung des jeweiligen Eigentümers voraussetzte.

Sondervariante: Bastion
Diese Sondervariante verlegt die Hochwasserschutzmaßnahme vor die historische Stadtmauerflucht und stellt einen markant eigenen städtebaulichen Akzent her. Die Betonschutzwand hat hier geringere Höhe und deckt nur ein 25-jähriges Hochwasser ab. Aufgehend bis zur Schutzhöhe des 100-jährigen Hochwassers folgen dann mobile Verschlüsse, sogenannte 'Dammbalken'.

Downloads

Projektblatt (pdf, 4.04MB)
Panoramafilm (MOV, 1.52MB)
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